Flutkatastrophe am Nacker Bach – Starkregenvorsorge hat Verbesserungspotenzial
Solingen/Die Hochwasserkatastrophe am 14. Juli hat auch in Solingen ihre Spuren hinterlassen. Der Nacker Bach, eigentlich ein kleines und ruhiges Gewässer, hat anliegende Grundstücke wie z.B. die
Hofschaft Haasenmühle stark verwüstet. Bereits 2018 kam es hier aufgrund einer abgerissenen Holzbrücke zu einer Überflutung. Die materiellen Einbußen der Flutkatastrophe im Juli sowie die Gefahr
für Leib und Leben sind laut einer der betroffenen Familien aber weitaus höher einzuschätzen.
Die Suche der Anwohner nach den Ursachen, warum sie nicht vorgewarnt wurden und ob die Katastrophe hätte verhindert werden können, sei ernst zu nehmen, so die Solinger Landtagsabgeordnete
Dobbert. Das Umweltministerium, bei dem sich Frau Dobbert Ende August mit einem Fragenkatalog zum Sachstand Nacker Bach erkundigte, ging in seiner Antwort u.a. auf die Zuständigkeiten der Stadt
Solingen und der Bauwerke des Wupperverbandes ein, konkret: dem Retentionsbodenfilter „Brücke“ und dem Regenüberlaufbecken „Schirpenbruch“.
Laut der Berichte zu den letzten Kontrollen seien hier keine Auffälligkeiten bekannt, so das Ministerium. Jedoch seien Kanalisation und ihre Bauwerke bei Extremwettereignissen wie im Juli 2021
leider nicht in der Lage, das anfallende Wasser gänzlich aufzunehmen. Es müssten derzeit laut Umweltministerium statistisch seltenere Niederschlagsereignisse aus rechtlicher und technischer Sicht
auch nicht Grundlage bei Planung und Bau von Abwasseranlagen sein. Demnach sei der Wupperverband auch nicht verpflichtet, z.B. Simulationsdurchläufe für Starkregenereignisse vorzunehmen.
Die Antwort des Umweltministeriums auf ihre Nachfrage beschreibe zwar, so Dobbert, dass die Kommunen und Betreiber der Abwasserbauwerke gegenwärtig zwar so gehandelt hätten, dass hier keine
Fehler passiert seien. „Sie sind aber noch nicht in dem Maße auf solche Starkwetterereignisse vorbereitet, dass ein gut funktionierendes Frühwarnsystem und mögliche technische Abläufe transparent
für alle erkennbar sind“, fügt Dobbert an. In Hinblick auf zukünftige Extremwetterereignisse müsse sichergestellt werden, inwieweit die Kanalisation und die Abwasser-Bauwerke für den Fall
eines solchen Ereignisses angemessen gewartet werden, technisch ausgestattet sind und frühzeitig warnen.
„Eine Starkregenvorsorge, wie sie die Stadt Solingen betreibt und aktuell nutzt, um die Ereignisse im Juli 2021 auszuwerten, ist ein guter Anfang“, sagt Dobbert.
Dazu gehöre auch, dass klar sein muss, wer wen warne, bzw. welche Meldeketten einzuhalten sind. Das Beispiel Nacker Bach zeige, welche lebensgefährlichen Folgen eine intransparente Kommunikation
haben könne.

Kommentar schreiben