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08. April 2021

Kampf um das Ittertal


Kampf um das Ittertal

 Wuppertal plant Bodenaufbereitungsanlage am Westring
Gräfrather Anwohner verlangen Transparenz und sind kampfbereit



Solingen/red-Die Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ (BIRDI) hatte zu einem Online-Treffen zur Diskussion über die geplanten Gewerbegebiete entlang des Autobahnzubringers an der Abfahrt Haan-Ost eingeladen. BIRDI kritisiert schon lange die zunehmende Zerstörung der Natur auf dem Weg zum historischen Ortskern von Gräfrath. Dass aber jetzt nicht nur Solingen, sondern auch Haan und Wuppertal gleichzeitig neue Gebiete planen, hat nun viele Anwohner mobilisiert.                   

Besonders die Abrissarbeiten am Westring haben die Anwohner aufgeschreckt. Ohne irgendeine Anwohnerinformation sind die Bäume gefällt worden und derzeit wird der ehemalige Trinkwasserspeicher abgerissen. Entstehen soll dort eine Bodenaufbereitungsanlage, die bei den Anwohnern viele Fragen auslöst. Wuppertal hat es bisher nicht für nötig erachtet, die direkt betroffenen Anwohner zu informieren. „Bodenrecycling spart CO2 und ist im Sinne der Nachhaltigkeit gut. Wuppertal und sogar die Grünen von Vohwinkel haben das also durchgewinkt. Die Idee ist ökologisch sinnvoll, aber der gewählte Standort völlig ungeeignet“ kritisierte ein Anwohner, der wegen der vorgeschriebenen Abstandsflächen zu Wohngebieten beim NRW-Umweltministerium schon eine Eingabe gemacht hat. „Da entsteht Staub, Lärm und ein enormer Verkehrszuwachs durch LKW. „In Wuppertal-Langerfeld gibt es diverse Brachflächen, die geeignet wären, aber Wuppertal will den Autobahnanschluss Haan-Ost nutzen und den Verkehr aus dem eigenen Stadtgebiet halten.“ so Anwohner Gorden Wessel „Wuppertaler Bürger sind hier ja nicht betroffen. Aber wir Gräfrather sind es. Wir wohnen hier und sollen die Last tragen.“  

    Laut Plan soll die Bodenrecyclings-Anlage im Zwei-Schichtbetrieb von 7 bis 21 Uhr und mit bis zu 15 LKW-Bewegungen pro Stunde laufen. Geplante Kapazität: 225.000 m3 pro Jahr, also 400.000 Tonnen Bauschutt, Kies und Asphaltplatten, die gerüttelt, zerbrochen sowie an- und abtransportiert werden sollen.

Der Stadt Solingen wurde von Wuppertal mitgeteilt, ein einfaches Genehmigungsverfahren sei geplant, also ohne Öffentlichkeitsbeteiligung. Mit einer Vorab-Genehmigung begann im letzten Herbst die Vorbereitung des Geländes und damit auch die Fällung eines kleinen Waldes, der zuvor das Gräfrather Wohngebiet von der Autobahn abschirmte. Erst dadurch wachten die Solinger auf. „Je mehr wir geforscht haben, desto mehr Fragen ergaben sich“, erklärte Christian Robbin von BIRDI in seinem Vortrag. Die AWG präsentierte dann auf Anfrage einzelner Mitglieder der BV-Gräfrath ein Geräusch-Gutachten und eine Untersuchung zu Staubentwicklungen und vorgesehene Gegenmaßnahmen. Die Gräfrather sind dennoch alarmiert, weil sie als direkte Anwohner nicht informiert wurden und die Sachlage völlig anders einschätzen als die eigene Stadtverwaltung, die die Gutachten nicht in Frage gestellt hat.“

    Danach hat die geplante Bodenaufbereitungsanlage rund dreimal mehr Kapazität als Bedarf in Wuppertal ist. Mit weiteren Bauschutt-Anlieferungen aus Nachbarkommunen ist also zu rechnen.
    Die Anwohner fürchten auch Vibrationsübertragungen durch den felsigen Untergrund. Sie sind überzeugt, dass die Verwandlung eines vorher stillen Wasserspeichers in einem Wald in solch eine Industrieanlage eine massive Verschlechterung der aktuellen Situation bedeutet.
    Auch berücksichtigten die vorgelegten Geräusch- und Staubgutachten nur die Bodenaufbereitungsanlage, nicht aber, wie sich die Belastungen durch die kommenden Gewerbe auf Backesheide, Fürkeltrath-1 und Westring summieren werden.

Die bisherige Landwirtschaftsfläche auf der Haaner Backesheide wird vermutlich noch in diesem Jahr zu einer große LKW-Servicestation und Reparaturbetrieb ausgebaut werden. Und obwohl das gegenüber liegende Solinger Fürkeltrath-II als Gewerbegebiet noch gar nicht beschlossen ist, hat der Solinger Stadtrat bei Gegenstimmen der Fraktionen GRÜNEN und DIE LINKE/DIE PARTEI im Haushalt 2021 bereits 250.000 € für Baumaßnahmen zur Vorbereitung einer Zufahrt für Fürkeltrath-II freigegeben. Übrigens auch gegen das Votum der BV-Gräfrath, das von SPD, GRÜNE und Die LINKE mehrheitlich getragen wird.
Auch Piepersberg-West, aktuell ohne bekannte Planung, ist als Gewerbe-Gebiet nicht aufgegeben worden.
Wo am oberen Rand des Ittertals vorher landwirtschaftlich genutzte Naturflächen und Erholungsgebiete waren, drohen städtebauliche Verdichtungen durch Gewerbegebiete und hohes Verkehrsaufkommen mit zukünftigen Umweltbelastungen.  

Die an der Infoveranstaltung teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger sind alle Anwohner in einem Radius von max. 500m und somit direkt betroffen. Sie fordern Transparenz und den Schutz ihres Lebensumfeldes. Die Anwohnerrunde war sich einig: Niemand will mit Rüttelanlagen, Stein-Brech-Maschinen und Dauer-Piepen von rückwärtsfahrenden LKW leben und täglich auf dem Weg zur Autobahn im LKW-Stau stehen. Wenn die Belastung durch Lärm, Staub und massiv erhöhten Verkehr da ist, ist die Wohnqualität verloren. Einen Anwalt einzuschalten erschien daher allen das Gebot der Stunde.

Die nächste Infoveranstaltung wird am Dienstag, 13. April, wieder um 18:00 Uhr online durchgeführt.
Anmeldungen bitte an [email protected]

 

Bürgerinitiative Rettet das Ittertal
Kontakt: [email protected]

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GdP: Wir brauchen keine immer neuen Debatten über Clankriminalität


GdP: Wir brauchen keine immer neuen Debatten über Clankriminalität

Mit großem Unverständnis reagiert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen auf immer wieder neue politische Diskussionen über Clankriminalität. Das aktuelle Lagebild des Landeskriminalamtes macht aus GdP-Sicht sehr deutlich: „Die Bekämpfung von Clankriminalität bleibt eine der ganz großen Herausforderungen für die Polizei“, erklärte GdP-Landesvorsitzender Michael Mertens. Fürs Sicherheitsgefühl der Bürger sei es von immenser Bedeutung, dass ein starker Rechtsstaat hier Flagge zeige.

Der starke Anstieg der Straftaten mit Clanbezug von +20,3% macht aus Mertens‘ Sicht deutlich, dass noch ein langer Atem nötig ist. „Er zeigt aber auch, dass wir mit unserer Null-Toleranz-Strategie richtig liegen und immer mehr Straftaten aus einem bis dato riesigen Dunkelfeld aufdecken“, so der GdP-Vorsitzende. Dass gerade Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen stark angestiegen sind, zeigt das hohe Gewaltpotenzial.
Grundsätzlich gilt: Die Clans sind quer durchs Strafgesetzbuch aktiv, Michael Mertens nennt sie „kriminelle Allrounder“. Die Abschöpfung von zu Unrecht erworbenem Vermögen trifft Clans an ihrer empfindlichsten Stelle – beim Geld. Brutale Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Banden können jederzeit hochkochen. Erst an vergangenen Wochenende verhinderte massive Polizeipräsenz eine Massenschlägerei in Essen.  
Für die GdP ist klar: Die Bekämpfung von Clankriminalität wird auch künftig weiter große personelle Ressourcen binden, über die stark geforderte Kripo hinaus. Wer es hier ernst meint, muss die Polizei in ihrer Breite weiter stärken. „Wichtig ist es aber auch, die Dinge weiterhin klar beim Namen zu nennen“, mahnt Mertens.
Die Polizei benötige politische Rückendeckung und keine immer neuen Debatten in der schwarz-grünen Regierungskoalition, so der GdP-Chef. Man habe es mit hochkriminellen Banden zu tun, die sich auf ihre familiären Strukturen stützen und den Rechtsstaat nicht anerkennen. Ein Lagebild Clankriminalität müsse deshalb auch künftig so heißen. „Dabei ist völlig klar: Nicht jedes Familienmitglied ist kriminell“, betont Michael Mertens.

NRW weiter Zuwachs



Düsseldorf (IT.NRW). Ende 2022 lebten in Nordrhein-Westfalen
18 139 116 Menschen. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen
als Statistisches Landesamt mitteilt, war die Einwohnerzahl damit um
214 525 Personen (+1,2 Prozent) höher als ein Jahr zuvor. Obwohl im
vergangenen Jahr 69 682 Menschen mehr starben, als Kinder geboren
wurden, stieg die Einwohnerzahl. Dafür sorgte ein positiver
Wanderungssaldo mit 283 366 mehr Zuzügen als Fortzügen. Das
Statistische Landesamt weist darauf hin, dass bei der Ermittlung der
Bevölkerungsentwicklung auch Korrekturen mit einfließen (2022:
+841); diese sind hauptsächlich auf sog. „Rücknahmen von Zu- bzw.
Fortzügen” zurückzuführen, die von den Kommunen erst nach
Abschluss der Wanderungsstatistik gemeldet werden.



(195 / 23) Düsseldorf, den 20. Juni 2023

Redaktion

 

Peter Nied

Cassandra Fuchs

Hasan Talsik (Fotos)

Mona Kubat

 

 

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